Teka von Troppau

Die alte Garde

5 Apr 2006

Fast jedes Jahr und das einmal, – trifft sich die alte Garde im Saal.
Man sieht sich hier und ist entzückt, die Anreise ist gut geglückt.
Aus des Landes allen Teilen – wollte man zum Treffpunkt eilen.
Gerührt liegt man sich in den Armen und denkt, es ist zum Gotterbarmen,
wie die Zeit an allen nagte – Jüngere und auch Betagte.

Bedenke, wie im letzten Jahr, er noch so gut erhalten war!
Mein lieber Freund, gut schaust du aus – rutscht es ihr zur Begrüßung raus. –
Nein, nein, du irrst dich, sagt er klein – mich plagt so manches Zipperlein.
Da, schau, da drüben unsre Hilde – ist auch nicht mehr die alte Wilde.
Was hat die früher angestellt – und jetzt ist sie mit dem Hans vermählt.
Es ist wohl seine dritte Ehe – wenn ich die Liese recht verstehe.
Die Liese weiß das ganz genau, denn sie war Hansens zweite Frau.
Der Hermann kommt zur Tür herein – na, wie alt kann der wohl sein?
Das Haar recht schütter, das ergibt sich – ich schätze ihn so dreiundsiebzig.
Elisabeth, noch gut erhalten, aufrechte Haltung und kaum Falten,
hat noch viel Charme und viel Humor – ist noch beweglich wie zuvor.
Sie, und noch viele von den andern, haben noch große Lust zum Wandern.
Gleich nach dem Frühstück wird gesungen – selten hat es so schön geklungen.
All die vertrauten, alten Lieder – weckten Erinnerungen wieder
an die schöne Jugendzeit – in Turnerkluft und Dirndlkleid.
Das Liederbuch ganz durchgesungen – von vorn nach hinten und zurück,
von dem Gemeinschaftsgeist durchdrungen – empfindest du ein Stück vom Glück.
Und nun geht es in die Berge – durch die Wälder, auf die Höhn.
Rotbestrumpfte, stramme Waden – kann man nun marschieren sehn!
Kniebundhosen – Anorak – auf geht´s, in den hellen Tag.
Die Restlichen, die nicht mehr wandern,, sie werden bis zum Berg gebracht,
dort warten sie dann auf die andern und freun sich an der Erde Pracht.
Hier kann man Cappuccino trinken, ein wenig gehen in den Wald,
bei Butterbrot und Käs´ und Schinken – vergehn die Stunden viel zu bald.
Die Sonne neigt sich schon gen Westen, – die Wanderer sind umgekehrt.
Man merkt es schon an ihren Gesten, – der Aufstieg war der Mühe wert.
Nun findet man sich ein zu Tische – auf dass nur jeder auch erwische,
das, worauf es ihn gelüstet – im Nu ist das Büfett verwüstet .
Salate, in acht großen Schalen, ein Anblick schön – direkt zum malen.
Hat sich dran jeder delektiert, – wird dann das andere serviert.
Erst die Terrine mit der Suppe. – Man spürt´s bis in die Fingerkuppe,
das wird zuviel, – Mensch, lass das sein! – Doch dieser Mensch sagt sich dann nein, –
die duftet gut und ist schön heiß – ob´s morgen so was gibt, wer weiß?!
Dann kommen Knödel, Fleisch und Soße – schau zu, dass du erwischst das Große.
Ein jeder danach Ausschau hält – es kostet ja das selbe Geld. – Da liegt ein Rest noch auf der Platte, – der nimmt, der noch zu wenig hatte,
mit der Entschuldigung verdeckt, – „sonst denkt der Wirt, ´s hat nicht geschmeckt.“
Zum Nachtisch gibt es Eis mit Sahne. – Die Zeit kommt, da voraus ich ahne,
es würde mancherlei geschehn. – Warten wir ab, wir werden sehn! –
Fast jeder fingert nebenbei – am Pillendöschen mit Arznei.
Einige für Leber, Galle, – den Kreislauf stärken sie fast alle. –
In unserm Alter muss man eben – oft abstinent und achtsam leben!
Als Ausgleich nimmt man dann die Pillen, – oft mit viel Mut und wider Willen.
Der Doktor hat uns viel verboten, – er sieht´s ja nicht – drum ein Glas Roten,
denn der war stets für alte Knaben schon eine von den besten Gaben.
Die Nacht beginnt – ich mag´s kaum sagen, es streikt naturgemäß der Magen!
Der Nachbar fühlt sich sehr gestört – weil er nun dauernd Schritte hört! –
Und die Moral von der Geschicht? Die Leute lernen´s niemals nicht!
Den nächsten Morgen nicht ganz munter, kommen manche die Treppe runter.
Sie konnten schlafen lang nicht ein – Schuld dran muss wohl der Vollmond sein!
Deshalb beginnt man heut aufs Neue – zu sündigen – ganz ohne Reue
Ein Busausflug ist angesagt. – Die vordern Plätze sind gefragt,
denn hinten sieht man nicht so recht – und außerdem wird einem schlecht.
Nun ist die Erwartung groß und der Bus fährt endlich los.
Hinterm Berg geht auf die Sonne – drin im Herzen fühlst du Wonne
beim Anblick dieser Prachtnatur. – Das wiederum sieht jener nur,
der wirklich Augen hat zu sehn. – Man sollte früher schlafen gehn! –
Mein Vordermann mit Jägerhut – schläft auf seinem Platz sehr gut…
Im Bett geblieben wär´ er besser – nun klappt er zusamm´ wie ein Taschenmesser.
Der Kopf ganz nach vorn. Der Hut schief drauf, bis ihn sein Nachbar weckte auf.
Versäumt hat er all die schönen Geschichten, von denen die Burgen als Zeugen berichten.
Die Sagen von Rittern und Schlössern und Grafen. Er hat alles prompt verschlafen.
Das Wetter ist herrlich – ein wenig Föhn, es gibt Museen und Kirchen zu sehn!
Im Programm ist nun eine Pause – mit der wohlverdienten Jause -.
Dann folgt die Führung durch ein Schloss – das Interesse war sehr groß.
In der alten Waffenkammer überfiel dich schon der Jammer.
Beil und Masken für den Henker, die Rüstung für den Rosselenker.
Die Ahnenbilder schaurig schön, war´n in der Halle anzusehn.
Und alte Fresken and er Stelle – wo früher war die Hauskapelle.
Nachdem man alles angesehn, – war´s wieder Zeit, zum Bus zu gehn.
Die Flotten, die sich dort schon sonnten, warten auf die, die nicht schnell konnten.
Abends zuhause angekommen, – wird dann das Nachtmahl eingenommen.
Dann finden Gruppen sich zusammen, die aus verschiedenen Städten stammen.
Die wissen vieles sich zu sagen – aus längst vergangnen, alten Tagen.
So ist dann jeden Tag was los, die Vorbereitungen sind groß
für Sketsche und die Tombola, der bunte Nachmittag ist da. –
Die Zeit vergeht, es rinnt die Stunde, gesessen da in froher Runde. –
Die Freundschaft soll erhalten bleiben, man wird sich wieder Briefe schreiben.
So leb´ denn wohl, – auf Wiedersehn, sagt man beim Auseinandergehn.
Der Himmel weiß, ob man noch mal – sich treffen wird in diesem Tal! –
Ein Ausweg jedoch bleibt dir offen, – du musst dran glauben und musst hoffen. –
Es mag ein gütig Schicksal lenken, dein positives, gutes Denken!

Die alte Garde lebe hoch – im nächsten Jahr sehn wir uns doch!

1 Kommentar »

  1. Roman Ulbrich wrote,

    Guten Tag!
    Ich bin in Opava (früher Troppau) im Jahr 1965 geboren. Obwohl ich seit dem Mai 1989 in Nürnberg lebe, habe ich nie aufgehört meine wunderschöne Geburtsstadt zu lieben. Ich arbeite langsam aber unermüdlich an Internetseiten, für die ich seit einigen Jahren Bilder sammele. Ich habe in meinen PC bereits viele Bilder, allerdings nur eines jüngeren Datums. Ich habe mir sagen lassen, daŸ Opava/Troppau bereits in der Vergangenheit eine prachtvolle Stadt gewesen wäre. Vielleicht hat jemand von Ihnen zu Hause auch ein paar älterer Bilder, die ich zu diesem Zweck verwenden könnte. (z. B. im Format jpg) Meine geplante Internet-Seiten möchte ich künftig zweisprachig gestalten (Tschechisch und natürlich Deutsch) Zu einer gelungener Internet Präsentation führt ein langer Weg. Aber ich habe keinen Zweifel, er wird sich lohnen…

    Kommentar on Donnerstag, 13.04.2006 @ 2:47 pm

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