Teka von Troppau

Geboren in Troppau

18 Feb 2006

Eine kleine gesellschaftskritische Betrachtung im Wandel der Zeit.


Ach, Sie fragen wo diese Stadt denn liegt?

Die Meisten fragen das – die Wenigsten wissen es. –

Wie auch sollen die jüngeren Generationen wissen, wo man Troppau finden kann, wenn man es ihnen nicht sagt, wenn man ihnen nicht erzählt, was für eine schöne Stadt, was für ein Kleinod dieses Troppau einst war. –

Geschichtlich, kulturell und menschlich zutiefst österreich–ungarisch. Durch die

k. u. k. Monarchie geprägt – als „Klein Wien“ zu bezeichnen.



Selbst als der alte Fritz unserer geliebten Landesmutter Maria-Theresia den Garten genommen hat, den Großteil Schlesiens im Siebenjährigen Krieg, blieb ihr der Zaun, den er ihr ließ. Und der Zaun war Troppau mit einem Stückchen Schlesien, dessen Landeshauptstadt diese Stadt nun wurde.

Meine Vorfahren stammen alle aus dieser Zeit und waren kaisertreue Untertanen, jeder auf seinem Posten. Geprägt von der damaligen Gesellschaftsordnung, verwurzelt mit den Sitten und Gebräuchen der guten, alten Zeit, in der man zu wissen hatte, was sich gehört oder nicht, was man tut oder lieber lässt. Anstand, Höflichkeit und Respekt dem Alter gegenüber waren selbstverständlich. Alles Werte, die heutzutage sehr zu wünschen übrig lassen. Ebenso die heute belächelten ethischen Werte wie Vaterlandsliebe, Ehre, Traditionen waren selbstverständliche Bestandteile unserer Erziehung. Mit anderen Worten, wir hatten Wurzeln, die stark und gesund waren und die bis heute spürbar sind, wenn ich in Gedanken der Erinnerung versunken durch mein altes, verwundetes Troppau gehe. Meine zu 80% kriegsverletzte Stadt wurde notdürftig mit primitiven, unzulänglichen Mitteln zusammengeflickt um zu überleben.

Die Folge dieser Kriegsverletzungen war eine Persönlichkeitsveränderung. Neue, fremde Menschen taten sich schwer mit der Pflege dieser schwer verwundeten Stadt.

Man muss sich einen ganzen Tag Zeit nehmen, um von unserem Deutschland aus über Österreich, Böhmen und Mähren in unser Stückchen Schlesien nach Troppau zu kommen. Gleich dahinter liegt jetzt Polen.

Ein Schachspiel der Weltgeschichte.

Ein Würfelspiel der Siegermächte nach den jeweiligen Kriegen.

Wer bekommt was?

Arme, geschundene, zerstörte Länder und betrogene Völker. Betrogen, verschachert und verkauft von den Herren dieser Welt.

Wer sind sie denn eigentlich – oder glauben zu sein, diese Anführer mit ihren Wahnsinnsideen und Ideologien, mit denen sie die Menschen einfangen und sie am Ende im Elend zurücklassen. Unter rauchenden Trümmern verbrannter Städte und neben unzähligen Gräbern ihrer Gefallenen, Verhungerten und Vertriebenen.

Es ist ganz und gar nicht beruhigend, am Ende eines langen Lebens feststellen zu müssen, dass die Menschheit trotz ihrer fürchterlichen Erfahrungen nichts dazu gelernt hat. In manchen Teilen der Welt erstehen diese fanatischen Verführer, politischer oder religiöser Couleur auf , finden immer wieder ihre begeisterten Anhänger und Mitläufer, welche sie dann gezielt und sicher in die nächste, kriegerische Auseinandersetzung führen. Das Ende ist vorauszusehen mit immer dem gleichen Resultat. Tod und Vernichtung . . . . .

Was für eine Welt!

Dabei ist sie von Natur aus so schön. Alle hätten Platz, alle würden satt, wenn es Vernunft und Frieden gäbe.

Aber, es gibt eben keine Vernunft und auch keinen Frieden auf dieser schönen Welt.

Es gibt keinen Frieden, weil Neid und Missgunst, Habgier und Eigennutz dominieren. Geld regierte die Welt immer schon und regiert sie weiterhin in einem steigenden und rücksichtslosen Maße.

Wohin führt dieser Weg?

Alles ist zurzeit in einer gewissen Auflösung begriffen.

Es zerfallen die Großmächte in Kleinmöchtegerne, jeder Volksstamm schart sich um seine Fahne, die wieder einmal einer hoch hält, um angebliche Geschlossenheit zu demonstrieren und bei dem Nachbarn ein Stück Land zurück zu holen, welches einst sein Eigen war.

Das sich ewig drehende Zahnrad der Geschichte – und kein Frieden in Sicht, obwohl sich die meisten Menschen auf dieser Welt nichts sehnlicher wünschen, als in einer gewissen Ordnung und Ruhe ihr Leben in ihrem Kulturkreis , in ihrem Land leben zu können. Hätten sie diese Möglichkeit, brauchten sie weder zu fliehen noch auszuwandern und das Wort Fremdenfeindlichkeit hätte seine Brisanz verloren. –

Also, ihr Herren der Völker, warum seid ihr nicht im Stande euren Landsleuten , Brüdern und Schwestern, euren Glaubensbrüdern und den vielen Kindern Arbeit und Nahrung, Kleidung und Wohnung und ein erträgliches Leben eurer Art zu ermöglichen? – Ihr seid doch gewählt oder habt euch ernannt, dem Volke zu dienen. In den meisten Fällen habt ihr doch die Gabe, vorzüglich für euer eigenes Wohl zu sorgen.

Warum dann nicht auch für euer Volk?

Es ist gefährlich sich in solche Gedankengänge zu begeben.

Man läuft Gefahr, sich in diesem Labyrinth zu verirren und den Ausgang nicht mehr zu finden. – Der Weg ins Freie jedoch, ist die Kunst zu überleben in diesem tragikkomischen Welttheater, in dem ein Teil der Welt vor Hunger stirbt, während die Anderen nicht wissen, welche Diät für sie am bekömmlichsten sei, um ihren Wohl-standsspeck los zu werden.

Die maßgeschneiderten Seidenanzüge und Abendroben sollen doch die sonnengebräunten Körper entsprechend zur Geltung bringen. – Als Gegensatz zu dem übertriebenen Luxus sehen wir die in Lumpen gehüllten Menschen auf den staubigen Fluchtstraßen, in den zerschossenen Städten oder in den feindlichen Lagern, in denen sie gequält werden. –


Haben die Menschen kein Gewissen mehr?


Nach all diesen Betrachtungen, Überlegungen und Gedankengängen bin ich dankbar und froh, noch in einer Zeit geboren zu sein, in der das Motto: „leben und leben lassen“, einen hohen Stellenwert hatte. Wie damals in meinem alten, geliebten Troppau.

Die Beziehung zu dieser Zeit und zu dieser Stadt ist wie eine Liebe, die einen verlässt oder wie eine Liebe, die man verlässt, weil man sie verlassen musste.

Deshalb bleibt sie immer lebendig.

1 Kommentar »

  1. Wolfram Firle wrote,

    Hallo,
    mein Großvater hat im Kreis Troppau (Großglockersdorf) gelebt und ich versuche zu verstehen, was er dort zurücklassen mußte, denn er hat es stets vermisst.
    Ich habe einige geschichtliche Daten entdeckt, was mir erklärt, warum er so gerne ins deutsche Reich heimgekehrt ist (ideologisch gesprochen – soweit ich das weiß). Aber über das Leben dort in dieser Region weiß ich nichts. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir ein klein wenig davon berichten könnten. Eine längst vergessene Zeit an einem vergessenen Ort.

    Freundlich Grüßt

    Wolfram Firle

    Kommentar on Mittwoch, 14.06.2006 @ 4:31 pm

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