Teka von Troppau

Meine Gäste

22 Jan 2006

Draußen ist es bitter kalt,
ich geh’ nicht raus – ich werde alt.
Am Fenster sitze ich wie immer
in dem gemütlich warmen Zimmer,
beobachte ganz lange schon – die Vogelwelt auf dem Balkon. –
Am Morgen habe ich erneut
das Vogelfutter ausgestreut.
Sie kennen ihre Futterstellen,
die kleinen munteren Gesellen.
Die frechen Spatzen sind gleich da,
oft sechs und sieben, acht sogar.
Dann kommen auch die kleinen Meisen,
die um die Meisenkugeln kreisen
bis sie sich daran festgezurrt,
weil ihnen der Magen knurrt.
Mit dem Kern im kleinen Schnabel
fliegt sie auf die Ästegabel
und hämmert bis zum guten Schluss – der Inhalt köstlich schmecken muss!
Doch gleich fliegt sie zurück zum Knödel,
das kleine flinke Meisenmädel,
und auf ein neues erfolgt stur – immer die gleiche Prozedur.
Ein Buchfink, kurz vorbeigekommen,
hat auch ein Körnchen mitgenommen.
Nun futtern sie in Windeseile
schon eine ganze lange Weile.
Doch plötzlich fliegen alle weg – die schwarze Drossel sitzt am Eck – schaut aufgeplustert und ganz stumm
auf meinem Balkon herum.
Jetzt gehört wer will’s verhindern,
der Futterplatz den Drosselkindern.
Ich überlege mir dabei – im Frühling waren es nur zwei.
Nun ist die Sommerbrut dabei!
Die ganze bucklige Verwandtschaft
macht mit dem Balkon Bekanntschaft.
Auch das übrige Gefieder
kommt im Familienverband wieder.
Sie sitzen lautstark aufgereiht
in einer Reihe, es wird Zeit,
dass ich mich spute, gleich am Morgen
ihnen die Mahlzeit zu besorgen.
Ich, dann am Fenster, und nicht einsam,
frühstücken wir dann gemeinsam.
Bei offner Tür ist’s schon passiert,
dass im Wohnzimmer ein Spatz spaziert.

Während ich diese Zeilen schreibe,
hoff ich, dass es noch lang so bleibe,
denn ich habe unverdrossen,
die Vogelschar ins Herz geschlossen.

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