Der Frühling meines Lebens Teil 1
Der Frühling meines Lebens
Schön war meine Jugendzeit im alten Troppau – Manch einer wird sich mit erinnern –
1. Teil
Es ist die berühmte Reise in die Vergangenheit, die man im fortgeschrittenen Alter so gerne unternimmt. Sie führt uns naturgemäß zu unseren Wurzeln zurück, und diese sind nun einmal in unserer Heimatstadt zu finden. – Also schicken wir unsere Gedanken auf den Weg, dahin, wo wir einst zu Hause waren. Vielleicht gehen so manche meiner Generation mit auf diese Reise, vielleicht haben sie Ähnliches erlebt.
Der Springbrunnen plätschert vor dem Landesmuseum. Die Goldfische treiben ihr munteres Spiel. Der alte Ginkgo-Baum hat sein Blätterdach ausgebreitet. Ich liebe ihn sehr. Oft sitze ich schon morgens um halb sieben auf der Bank zu seinen Füßen und lerne noch schnell das, was ich gestern hätte lernen müssen! Aber da hatte ich Fechtunterricht in der Jahn-Turnhalle und anschließend der Bummel! Den durfte man auf keinen Fall versäumen. Auch wenn man nur eben mal mit dem Rad vorbeifuhr, um zu sehen, „wer da ist“. Und mit Sicherheit waren sie da – die man treffen wollte- und schon saß man in der Sperrgasse beim Italiener und schleckte sein köstliches Eis! Nachdem lange genug getratscht worden war, trennte man sich, schlenderte beim Gartencafe´ Niedermeyer vorbei, wo die Paare draußen im Freien unter den alten Bäumen zu munteren Klängen der Tanzkapelle ihr Können erprobten. In angenehmer Begleitung geht es heimwärts. Einige Augenblicke hat man noch Zeit, unter meinem Baum zu sitzen und die neu gepflanzten Blumenbeete zu bewundern, die sich in barocken Ornamenten darbieten. Pünktlichkeit war gefordert, die Abendbrotzeit war da, der Abschied kurz, also dann bis morgen. Ich hatte es nicht weit – ich wohnte gleich gegenüber meinem Lieblingsbaum. Und der Flieder duftete – und vor dem Einschlafen hörte ich noch das Plätschern des Springbrunnens.
Der Schulweg war wie immer. Am gleichen Ort, zur gleichen Zeit, die gleichen Gesichter. Daran konnte man ermessen, ob man gut in der Zeit lag oder nicht. Traf ich die Gymnasiasten schon vor der Pergola beim Gartencafe´ Phillip, kam ich sicher zu spät, denn der Weg bis zur Frauenfachschule war noch weit. In der Friedhofsgasse neben der Hedwigskirche steht sie. Da musste die Zinsmeisterstraße im Galopp genommen werden. – Gänzlich ausgepumpt und atemlos sank man auf seinen Stuhl beim allerletzten Klang der Glocke. Nun konnte es losgehen!
Allmählich öffnete auch unser herrliches Stadtbad seine Pforten. Somit waren die neuen Treffpunkte gegeben. Man zog mit oder ohne Schulbücher hinaus und versuchte, einen Platz auf der Holzpritsche zu belegen. Bald bildeten sich Gruppen von Mitschülern und Freunden. Im Laufe der Saison hatte fast jeder seinen Stammplatz, und so wusste man, wo man wen treffen konnte. Sehr gemütlich saß man auch im 1.Stock im Kaffeepavillon. Die Stunden vergingen im Nu. So musste man sich wieder einmal sputen, um noch Besorgungen für die Schule zu machen. Mit dem Rad ging es schnell an der Jutefabrik vorbei, entlang der Straßenbahnschienen zum Breda und Weinstein. Dann zu Wittek in die Sperrgasse, um Knöpfe und Zubehör zu kaufen. Stickgarn bei Vogel oder Weinkopf, einen Zeichenblock bei Feitzinger, denn morgen gibt´s Kostümkunde und Modezeichnen bei Prof. Lehnert, und das durfte man nicht versäumen.
Im Vorüberfahren schaue ich noch bei Netty Eisenbeiß im Handschuhgeschäft beim Theater vorbei. Sie ist eine ebenso begeisterte Reiterin wie ich auch, und wir verabreden einen Ausritt am Sonntag, 6 Uhr morgens, im Stall in der Ottendorferstraße. Dort stehen Reitpferde, die bewegt werden müssen. Es fällt nicht schwer, uns behände in den Sattel zu schwingen, um dann durch blühende Wiesen und Felder zu reiten, bis wir mit unseren Pferden in der Mohra stehen. –Wie oft haben wir hier die Sonne aufgehen sehen! Oft auch sind wir, vom Regen durchnässt, von einem Ausritt aus dem Schalkauer Busch im Stall gelandet! Das Glück auf dem Rücken der Pferde hat uns soviel bedeutet. – Bis zu ihrem Ableben sind wir in Verbindung und die alten Pferdenärrinnen geblieben.
Unvergesslich schön waren unsere Ausflüge an die Mohra gegen Abend. Kurz entschlossen war eine kleine Gruppe von Freundinnen bereit, mitzufahren. Unsere Dirndlröcke flatterten, als wir mit unseren Rädern den Galgenberg hinunterrasten. Dann durch die Feldwege an die Mohra, wo wir schon unseren festen Platz hatten. Das Korn wogte leise im Wind, die Sonne neigte sich gen Westen und wir schwammen vergnügt durchs klare Wasser am Ufer entlang. Dann wurden Steine zu einer kleinen Feuerstelle zusammengetragen, die mitgebrachten Kartoffeln geröstet und die Extrawurst in Stücke geschnitten, auf eine Weidenrute gespießt und angebrutzelt. Gut hat´s geschmeckt.
Inzwischen zog der Abend herauf. Die Gespräche flossen dahin, sie waren fröhlich und auch besinnlich, jeder erzählte, wonach ihm zumute war. Der Sichelmond stand am Himmel, und ich dachte an ein Gedicht von Weinheber , in dem es heißt: „ Sichelmond vergeht, schwankt zur Himmelstür – rühret an die Nacht, die zögernd steht.“ Ja, genauso war es. Ein wundervoller Abend. Wir schwammen noch einmal bei Mondenschein, bevor wir glücklich und zufrieden den Gilschwitzer Berg erklommen und dann die Bergstraße abwärts, jeder in eine andere Richtung, heimfuhren.
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Statistiken
Sehr geehrte, nein,besser: verehrte Frau von Troppau, es wollte der Zufall, dass ich Ihre
so interessante Home-Page famd. ( vielleicht war es auch kein Zufall, wer weiß?).Ihre Prosa und Ihre Gedichte haben mir sehr gefallen, so- weit ich sie bisher gelesen habe. Aber nicht deswegen, sondern wegen eines sehr lieben Menschen aus dieser Stadt, den ich meinen guten Freund nennen durfte: Dr.Emil Schembera, der nach dem Kriege in Wien lebte und Sprecher der sudetendeutschan Landsmannschaft in Österreich war und seiner-
seits mit dem damaligen Bundespräsidenten Dr. Kirchschläger befreundet war. Dr.Schembe-
ra war Leiter einer Bibliotek in Troppau, wo-
von er mir oft geschwärt hat. Ich habe noch
ein wunderschönes Foto von ihm gemacht, was
ich gerne nach reiche, wenn es interessiert.
Ihre liebevolle Beschreibung von Troppau in
vormaligen Zeiten stimmt mit der seinen voll-
ständig überein, soweit bei mir erinnerlich.
Seinen Hauptwohnsitz hatte er damals in Wien Kreuzgasse 4, sommers in Wenigzell/Steiermark
wo wir uns kennenlernten.
Ein gutes Neues Jahr wünschend,
verbleibe ich, mit besten Grüßen
Ihr Jochen Schmidt
Kommentar on Mittwoch, 07.01.2009 @ 8:19 pm